Windmühlen

Kein Land der Welt ist so bekannt für seine Windmühlen wie Holland. Dies ist so, obwohl es in Norddeutschland eigentlich mehr Windmühlen gibt, als in den gesamten Niederlanden.

Die geografischen Vorraussetzungen sind in den Niederlanden aber auch ideal: ein flaches Land an der Nordsee. Die Nordsee bringt reichlich Wind und das flache Land musste entwässert werden. Wobei man in dieser Aussage dann auch schon die zwei Typen der Mühlen erkennt: Windmühle und Wassermühle.

Windmühle in den Niederlanden
Windmühlen sind in Holland allgegenwärtig (c)

 

Unterscheidung zwischen Wind- und Wassermühlen

Früher gab es weit über 10.000 Mühlen in den Niederlanden, heute gibt es noch etwas über 1.000 Wind- und über 100 Wassermühlen. Dafür werden die bestehenden Mühlen von den Holländern in der Regel liebevoll gepflegt und sind für Touristen ein beliebtes Fotomotiv. Dabei gibt es die verschiedensten Arten wie zum Beispiel die klassische Holländerwindmühle (auch Kappenwindmühle).

Die achtkantige Mühle wurde durch eine Windrose oder ein Sterz gedreht. Ein Beispiel für eine Holländerwindmühle ist De Jonge Hendrik in Den Andel (Groningen) oder auch die Hager Windmühle bei Aurich (Deutschland). Sehr lange Flügellängen haben die Kokermühlen. Die Paltrockmühle ragt mit ihrem Pfalzrock bis zum Boden und steht auf einer gusseisernen Rollbahn. Eine weitere Mühlenart ist die Bockwindmühle, sie ist drehbar auf ihrem Bock. So gibt es verschiedene Windmühlenarten und jedes Exemplar für sich hat eine eigene Geschichte zu erzählen.

Daneben gibt es noch die eher für Südeuropa typischen Turmwindmühlen. Diese bestehen aus einem Turm aus Ziegel- oder Naturstein und einem in die Dachkappe eingebauten Getriebe mit Flügelwerk. Vier Exemplare dieses Typs gibt es noch heute in den Niederlanden, drei im Gelderland (unter anderem die Mühle in Zevenaar von 1408) und eine in Gronsveld (bei Maastricht in Limburg) von 1623.

Früher war die Windmühlen sowohl wirtschaftlich als auch landschaftlich prägend für ganz Holland. Das Korn wurde gemahlen, es wurde gesagt oder Öl gepresst. Eine Besonderheit ist auch die Tatsache, dass sie als Kommunikationsinstrument genutzt wurden. So konnte man früher an der Stellung der Flügel erkennen, ob es eine Geburt in der Familie gab oder ob die Mühle für einen längeren Zeitraum Instand gesetzt wird.

Auch im Zweiten Weltkrieg nutze der niederländische Widerstand die Mühlen, um mit den Alliierten Kontakt aufzunehmen. Der vielseitige Einsatz von Windmühlen ist bis heute anerkannt in den Niederlanden und sie werden als Teil der Geschichte und Identität hoch angesehen. Jedes Jahr feiern die Niederländer daher auch den landesweiten Mühlentag (Landelijke Molendag).

 

Die Mühlen von Kinderdijk

15 km südöstlich von Rotterdam liegt in Südholland der Ort Kinderdijk, der international berühmt wurde durch seine 19 Mühlen von Kinderdijk, die seit 1997 zum Weltkulturerbe der UNESCO zählen. Sie sind eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Holland und dienen dem Abpumpen des Wassers aus dem Poldergebiet, um es dann über zwei Stufen in den Fluss Lek zu führen. So wurde früher der Boden hier landschaftlich nutzbar gemacht.

Die Mühlen unterteilen sich in mehrere Gruppen. Im Nederwaardpolder liegen einige runde Mühlen (bereits 1738 erbaut), im Overwaardpolder liegen dagegen einige achteckige Mühlen aus Holz (1740 bzw. 1761 erbaut). Auf dem Blokweerpolder befindet sich die einzelne Blokweermühle (De Blokker). Bei der großen Sturmflut im Jahre 1953 funktionierte das System der Mühlen von Kinderdijk hervorragend, so dass die Mühlen bis heute auch ein Symbol für den immerwährenden Kampf der Holländer mit dem Wasser sind.

Hier lassen sich wunderschöne Fotos mit mehreren Mühlen auf einmal machen. Im Winter wimmelt es hier auf den zugefrorenen Wasserflächen von Schlittschuhläufern, ebenfalls ein schönes Bild.

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