Geschichte der Niederlande

Die Geschichte der Niederlande geht weit in die Vergangenheit zurück und ist die Geschichte einer kleinen Nation, die sich schon früh als tolerante und liberale Gesellschaft verstand. Als erfolgreiche Seefahrer- und Handelsmacht waren sie außerdem lange eine der führenden Entdeckernationen der Erde.

Wir versuchen hier einen kurzen Überblick über die Geschichte des Landes zu geben, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Zunächst waren die Niederlande ein Teil des Frankenreiches, später des ostfränkischen Reiches und des Heiligen Römischen Reiches. Unter Karl V. (1500 – 1558), der auch König Spaniens war, bestanden die Niederlande aus 17 Provinzen und umfassten u.a. auch Teile Belgiens.

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Die Niederlande waren lange eine führende Handels- und Seefahrernation

Weg in die Unabhängigkeit

Am 15./16. Juli 1572 beschlossen Repräsentaten einiger Städte Hollands in Dordrecht die Unabhängigkeit von Spanien. Wilhelm I. von Oranien-Nassau wurde der Anführer dieser Unabhängigkeitsbewegung. Verschiedene niederländische Provinzen schlossen sich am 23. Januar 1579 zur Utrechter Union zusammen, der Süden des Landes (u.a. Teile der Wallonie in Belgien) bekannte sich dagegen in der Union von Arras ausdrücklich zum katholischen Spanien.

Am 26. Juli 1581 erklärten sich die Niederlande für unabhängig und im Achtzigjährigen Krieg (1568 – 1648) erkämpfte sich die Republik der Sieben Vereinigten Niederlande endgültig die Unabhängigkeit von den Spaniern. Mit dem Westfälischen Frieden wurde die Unabhängikeit am 15. Mai 1648 formell anerkannt.

 

Die Niederlande als Entdecker- und Kolonialmacht

Das Land blühte auf und gründete Handelsposten und Kolonien in der Karibik (Antillen), Amerika (Nieuw-Amsterdam, später New York, Surinam) und Asien (Indonesien).

1795 wuchs der Einfluß Frankreichs und es kam zur Gründung der Batavischen Republik. 1806 wandelte Napoleon I. diese in das Königreich Holland um und setzte seinen Bruder Louis-Napoleon als König ein. Bereits 1810 wurde das Land dann endgültig Frankreich einverleibt. 1813 wurde das Land aber wieder unter Wilhelm I. als Fürstentum eingerichtet und mit dem Wiener Kongress 1815 nach der Niederlage Frankreichs ein eigenes Königreich.

Es gab damit für das Land auch Gebietsgewinne, da die südlichen Niederlande (Belgien) angeschlossen wurden. 1830 wurde Belgien nach der belgischen Revolution allerdings unabhängig.

 

Holland in der Moderne und der Gegenwart

Im Ersten Weltkrieg (1914 – 1918) blieben die Niederlande neutral und waren trotz Truppenmobilisierung und Flüchtlingsaufnahme am Krieg unbeteiligt. Der ehemalige deutsche Kaiser Wilhelm I. nutze die Niederlande als Exil. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Niederlande von deutschen Truppen besetzt. Die niederländische Königin Wilhelmina flüchtete nach London und bildete dort eine Exilregierung.

Königin Wilhelmina wurde dort zur Symbolfigur des Widerstands der Niederlande. In Niederländischen-Indien mussten sich die Holländer 1942 den Japanern geschlagen geben. Nach der Befreiung durch die Aliierten wurden die Niederlande Gründungsmitglied der Vereinten Nationen (1945).

Nach militärischen Auseinandersetzungen wurde Indonesien 1949 unabhängig, 1975 dann auch Surinam. Regional wurde die Zusammenarbeit mit Belgien und Luxemburg als BENELUX vertieft. Zusätzlich beteiligten sich die Niederlande an der europäischen Integration, zunächst 1952 in der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, später dann der EG. Ebenfalls war Holland Mitbegründer der NATO 1949.

1953 kam es zu einer großen Sturmflut, die 1853 Todesopfer verursachte. In dessen Folge gab es weitreichende Küstenschutzmaßnahmen (u.a. die Deltawerke in Zeeland). Mit der Zeit verzeichneten die Kirchen einen Migliederschwund und der Einfluß des lange Zeit prägenden Calvinismus lies nach.

Auch das Verhältnis zu Deutschland hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg weitestgehend normalisiert. Die Niederländer stellen heute eine der größten Besucher- und Urlaubergruppen beim Deutschland-Tourismus und besuchen insbesondere auch gerne die deutsche Hauptstadt Berlin. Deutschland steht traditionell als großer Nachbar stark im Fokus des Landes und die deutsche Sprache ist als Fremdsprache weit verbreitet.

Die Gesellschaft der Niederlande fiel in der Nachkriegszeit durch einige Besonderheiten auf, wie etwa besonders liberale Regeln zu Drogenkonsum oder die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehe. Auch beim Umweltschutz und internationaler Friedenserhaltung ist das Land aktiv.

Dies hat dem Land international viel Anerkennung eingebracht. Nach dem Mord an dem Filmregisseur Theo van Gogh (2004) kam es zu Anschlägen auf islamische und christliche Einrichtungen. Bis heute ist der Umgang mit Einwanderern und fundamentalistisch-religiösen Kräften ein umstrittenes innenpolitisches Thema.

Wirtschaftlich ist es bis heute eines der erfolgreichsten Länder der Europäischen Union, die Außenpolitik wird eng mit den westlichen Partnern abgestimmt.

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